Berichte 2014

Beobachtungen im Schullandheim (April 2014)

(aus dem Blickwinkel eines Vaters, hauptberuflich Dekanatsjugendreferent)

Während der fünf Tage Schullandheim in Pottenstein hatte ich Urlaub genommen und so die Möglichkeit, die Arbeit unseres Pädagogenteams und das Verhalten unserer Kinder aus nächster Nähe zu beobachten. Nachdem ich beruflich seit fast 20 Jahren Ferienfahrten mit Kindern- und Jugendlichen leite und dabei Programmabläufe organisiere und Teams coache, kann ich besten Gewissens sagen: Sehr gute Leistung!

Unser Team aus Lehrern und Sozialpädagogen engagiert sich weit über das Maß hinaus, was man als „normale Pflichterfüllung" ansehen und erwarten kann: Neben der Gestaltung des sehr abwechslungsreichen Außen-Programms aus Nachtwanderung, Kletterwald,

E-Parkbesuch, Niedrigseilparcours, Sommerrodelbahn, Höhlenwanderung und Lagerfeuer boten sie eine Hausrallye, einen Brettspielabend, einen Actionabend à la „Schlag den Raab" und ein völlig selbst gemachtes Gelände-Rollenspiel mit männlicher Königin, weiblichem König, Prinzessinnen, Spionen und Rettern, das unsere Kinder zwei Stunden lang von Schatzkisten zu Rätselecken, fremden Lagern und einer Goldbank jagte.

Im Haus gab es neben der gut besuchten Kickerecke auch Tischtennisplatten und eine Turnhalle, wo öfters Sporteinheiten angeboten wurden, ebenso wie auf den Sportplätzen vor dem Haus. Unsere Kinder waren bei all den Angeboten voll dabei.

Neben der Organisation des Programms leistete das Team den ganzen Tag über engagierte Erziehungsarbeit: Dauernd sah ich stattfindende Einzelgespräche oder Kleingruppengespräche zu den Themen Grenzen achten, respektvoller Umgang miteinander, Rücksichtnahme, Gruppenregeln einhalten, übernommene Aufgaben verlässlich durchführen, gewaltlose Konfliktlösung, fremdes Eigentum achten – eine Großgruppe aus 80 Personen, Mehrbettzimmer - und keine Mami oder Papi weit und breit, die einem Dinge hinterher räumen, die Uhrzeit sagen oder für Ordnung im Zimmer sorgen, bieten jede Menge Lernstoff im Umgang miteinander.

Das geht nun mal selten ohne „Rumpeln und Scheppern" ab. Und Essen gab´s erst, wenn die Tische gedeckt waren. Unsere Kinder sind eben ganz normale Kinder und lernen ebenso wie wir durch Erfahrungen, auch negative. Das Besondere in unserem Schulsystem ist da die konstruktive Aufarbeitung der Konflikte, deshalb leisten wir uns kleine Klassen und zwei Pädagogen. Und ich bin überzeugt davon, dass dies sehr viel bringt. Spät nachts unterhielten wir uns dann im Team darüber, wie toll sich viele der Kinder in kurzer Zeit seit ihrem Übertritt entwickelt hatten. Kinder, die in einem normalen Schulsystem mit großer Klasse und nur einem Lehrer kaum eine Chance gehabt hätten, weil der Lehrer dort außer mit Strafen kaum auf Grenzüberschreitungen reagieren kann.

Diese Einschätzung des Teams konnte ich vollends teilen, nachdem ich bereits vor drei Jahren in Augsburg dabei war und die unglaublich positive Entwicklung einer ganzen Menge von Kindern in unserer Schule miterlebt habe, um die ich mir damals ernsthafte Sorgen gemacht habe. Sowohl vom Sozialverhalten her wie auch vom Schulischen hat es enorm positive Veränderungen gegeben: An genau den Dingen, die auch im Schullandheim stetig eingeübt wurden, arbeiten unsere Pädagogen auch in der Schule geduldig und engagiert: Kooperationsfähigkeit, Höflichkeit, Kreatives Denken, Eigenverantwortlichkeit, Sozialverhalten, Selbstbewusstsein, respektvoller Umgang miteinander.

Diese so genannten „Soft-Skills" sind nach Umfragen für Arbeitgeber inzwischen genauso wichtig geworden wie Noten. Ich selbst bin glücklich darüber, wenn ich sehe, wie sich unsere Kinder entwickeln. Lasst uns bei all den Diskussionen über Zensuren und Abschlüsse auch diese sehr wichtige Seite bei der Menschwerdung nicht vergessen, die unsere Schule schon fast perfekt bietet dank vieler engagierter Pädagogen. (se)

 

Filmprojekt von Schulen-der-Zukunft (März 2014)

„Filmstars" waren die Jenaplan-Schüler am 21. März: Ein Filmteam aus acht SchülerInnen aus verschiedenen Schulen der Schweiz, war zu Gast in Nürnberg, um auch unser Gymnasium in Nürnberg für ihre Dokumentation für den Bildungskongress in Zürich unter die Lupe zu nehmen.

Unterwegs waren die jungen Schweizer schon seit Dienstag, als sie als erstes die Ecole Humanité besuchten und dann sechs weitere, aber darunter war nur eine deutsche Schule, die Modellschule von Schulen-der-Zukunft.org, eben das Jenaplan Gymnasium in Nürnberg.

Yana, Louise, Arik, Dominik, Leon, Suthichay, noch Mal Leon und Ivan wurden am Donnerstagabend in der schönsten deutschen Jugendherberge auf der Nürnberger Burg herzlich begrüßt. Der Leiter und Schulentwickler Daniel Hunziker musste abends noch Daten überspielen vom Tag, um am nächsten Morgen wieder freie Speicher für das Filmteam zu haben.

Auch wenn am Morgen der Blick auf diese Burg Begeisterung auslöste, so war doch sofort jeder fit für die letzte Schule, in der gefilmt und SchülerInnen interviewt wurden. Fragen gab es viele: Wie denn der Schultag aussieht? Was es denn mit dem Kompetenzraster auf sich hat? Könnt Ihr selbst bestimmen? Wie viel und was lernt Ihr? Und vieles mehr.

Letztlich ging es darum herauszufinden, wie Lernen mit Freude bei einer würdevollen Beziehung zwischen Pädagogen und Schülern und Selbstwirksamkeit möglich ist, wie eine LERNKULTUR DER POTENZIALENTFALTUNG gelebt werden kann. Die SchülerInnen der Unterstufe (die Mittelstufe war im Skilager) am JPG waren motiviert, führten durch die Schule, beantworteten Fragen und teilten sich mit Kamerateam auf alle Räume am JPG auf.

Dann war alles im Kasten und alle waren froh darüber. Man ging noch in den Park und filmte SchülerInnen beim Ballspiel auf dem Schulhof, bevor sich die Schweizer nach dem Mittagessen in der Mensa auf den langen Heimweg machten. Jetzt werden die Aufnahmen geschnitten und auf dem Bildungskongresss am 31. Mai 2014 in Zürich gezeigt. Dabei wird der Film nochmals  von Schülern kommentiert und später veröffentlicht.

Ziel ist es - wie SCHULE-IM-AUFBRUCH.DE in Deutschland - in Zusammenarbeit mit allen Schweizer Schulen Beispiele zu liefern, wie man Schulen transformieren kann, von einander zu lernen und Schulen für die Zukunft fit zu machen. Das ist eine Gemeinschaftsleistung und braucht alle Kräfte. Wir sehen uns am 31. Mai  in Zürich - danke für diesen tollen Tag!

Mehr Informationen: www.schulen-der-zukunft.org oder auf Facebook.

 

Infotag (Feb 2014)

Viele positive, durchaus auch überraschte Reaktionen gab es auf den neu konzipierten  „Informationstag"  am Jenaplan Gymnasium im Februar. Denn die interessierten Eltern und Kinder staunten nicht schlecht, dass die Schüler selbst die Besonderheiten ihrer Schule vorstellten – und vor allem darüber, wie professionell sie das machten.

„Man merkt, dass hier ein anderer Geist als an der Regelschule weht. Ich war begeistert und würde mich freuen, wenn sich mein Sohn für das Jenaplan Gymnasium entscheiden würde, weil er hier einfach Dinge gelehrt werden, die weit über den reinen Lernstoff hinaus gehen", schwärmte ein Vater.

Neu war das Konzept des früheren „Tags der offenen Tür": Am Empfang bekamen die potenziellen neuen Mitglieder der JPG-Schulfamilie einen Laufplan überreicht, wobei sie in vier verschiedene Gruppen aufgeteilt wurden.  Vor den Stammgruppenräumen warteten ein leckeres Büffet, dazu Kaffee und Erfrischungsgetränke.

Am Anfang des offiziellen Teils hatten die Pädadogen das Wort. Das Schulleiterduo Stefan Wagner/Patrick Götz erzählte prinzipielle Dinge über die reformpädagogische Schule. Danach verteilten sich die Gäste, die Eltern auf die vier Stationen, die sie reihum besuchten und die Kinder wurden von den Jenaplan SchülerInnen in die Lernbüros mitgenommen, um miteinander zu lernen.

In drei Räumen warteten Schüler mit Informationen auf die Besucher: In einem wuerden diese über JPG-Besonderheiten wie das Logbuch und das Lern-Coaching aufgeklärt, im zweiten ging es um den Wochenplan und die verschiedenen Arbeitsformen, im dritten um Kompetenzraster (das ersetzt das herkömmliche Notensystem) und Checklisten.

Im vierten Raum trafen die Interessenten auf engagierte Eltern von Jenaplan-Schülern, die berichteten, auf welch vielfältige Weise sich Mütter und Väter am JPG einbringen können – ein ganz wichtiges Merkmal dieser Schule. Das klingt zwar im ersten Moment nach viel Arbeit, aber die Vertreter der zahlreichen Eltern-Arbeitsgruppen erzählten auch, wie befruchtend und motivierend diese Aufgaben sein können.

Am Ende des offiziellen Teils mit einer weiteren kurzen Info der Schulleitung war noch Zeit für einen zwanglosen Austausch mit Pädagogen und Eltern, der rege genutzt wurde.

 

Immer wieder freitags (Jan 2014)

„Vernetztes Lernen" ist einer der Eckpfeiler der Jenaplan-Pädadogik.  Konkret heißt das, dass Fächer nicht, wie an der Regelschule üblich, getrennt gesehen werden, sondern ineinander greifen.

So werden am JPG alle vier bis acht Wochen  Projektthemen in der Unterstufe und Mittelstufe ausgegeben, in denen vernetztes Lernen dazu führt, dass die Schüler in ihren Stammgruppen das Thema in einem jahrgangsgemischten Team bearbeiten und am Projektende in ihren Stammgruppen vorstellen.

Ganz am Ende steht die Präsentation vor den anderen Stammgruppen – ein  Großereignis, das immer freitags geschieht. Jetzt war es wieder so weit: Die einzelnen  Stammgruppenteams sind ganz aufgeregt. Wie wird die Kompetenz bewertet? Wie kommt das Ergebnis bei den Betrachtern an?

Die Mittelstufe hatte das Thema „Glauben heißt nicht Wissen, aber Leben" wurde von den Religionspädagogen bewertet. Es waren in „Blue Hole" unterschiedlichste Spiele komplett entwickelt und hergestellt worden. Die SchülerInnen und Pädagogen haben nun gemeinsam gespielt und die Spiele vorgestellt. Alle waren begeistert bei der Sache.

Die Unterstufe hatte das Thema „Jäger und Gejagte" - ein Zusammenspiel von Biologie, Informatik und Physik. Es wurden Webseiten oder Dokumente mit Hyperlinks auf andere Informationen vernetzt, Geschwindigkeiten und Brennweiten der Jäger mit dem Menschen verglichen, die Jäger und Gejagten abgebildet und beschrieben. Interessant war, dass jedes Team andere Schwerpunkte  in ihrer Arbeit gesetzt hat.

Vernetztes Lernen soll über den normalen Kursunterricht hinaus im Projekt, in Lernbüros, in der Stammgruppe das Wissen verankern. SchülerInnen bauen damit Kompetenz auf, denn wir wissen heute, dass nicht abgefragtes Wissen, sondern Kompetenzen und Können wichtiger sind.

 

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